Home Aktuelles & Termine
Qualität in der Lese-Rechtschreibtherapie: Eine Selbstverständlichkeit? PDF Print E-mail

Mit der Diagnose einer LRS beim Kind beginnt für Eltern meist die große Herausforderung sich im unüberschaubaren Dschungel der vielfältigen Therapieangebote zurecht zu finden und dasjenige herauszupicken das am ehesten Erfolg versprechend ist. Für Laien ist es dabei fast unmöglich zu beurteilen, welcher Therapieansatz tatsächlich effizient ist, besonders weil die zugrunde liegenden Konzepte nicht nur unterschiedlich sondern zuweilen sogar widersprüchlich sind. Ist es also Glückssache, ob Eltern eine/n gut ausgebildete/n Therapeuten /Therapeutin für ihr Kind ausfindig machen können? Und wie kann man fachlich qualifizierte Personen von jenen unterscheiden, die keine qualifizierte Therapie anbieten?

Im Folgenden möchten wir ratsuchenden Eltern sowie Fachkräften einige Orientierungshilfen mit an die Hand geben um lange Irrwege zu vermeiden, die neben einer Zeit- und Geldverschwendung seitens der Eltern, für Kinder vorwiegend den Verlust von Lernmotivation und Selbstwertgefühl bedeuten. Eine gute Therapie ist nicht zuletzt deshalb von großer Bedeutung, da eine nicht oder falsch behandelte LRS zu einer Verschlechterung der Symptomatik und damit auch zu sogenannten Sekundärsymptomen (Prüfungs- und Schulängste, emotionale Störungen bis hin zur Depression, Bauch- oder Kopfschmerzen etc.) führen kann.

Was zeichnet nun also eine effiziente Therapie aus? Sollte man als Elternteil nicht davon ausgehen können, dass man bei jedem LRS-Therapeuten dieselbe Behandlung bekommt? Da der Beruf des LRS-Therapeuten berufsrechtlich nicht geschützt ist, und auch sehr unterschiedliche Ausbildungen angeboten werden, was wiederum zu unterschiedlichen Strömungen hinsichtlich der Therapiemethoden geführt hat, ist dem leider nicht so.

Das Hauptmerkmal bei der Suche nach der richtigen Therapie sollte die Orientierung an der Wissenschaft sein. Effiziente LRS-Therapie zeichnet sich dadurch aus, dass die in der Therapie verwendeten Methoden einer wissenschaftlichen Überprüfung unterzogen und für wirkungsvoll erachtet wurden. Man verlässt sich also nicht auf subjektiven Alltagsbeobachtungen, sondern gewinnt durch groß angelegte Studien unter Anwendung wissenschaftlicher Methodik, objektive Erkenntnisse über einen Sachverhalt. Eine enge Verknüpfung von Theorie und Praxis ist also entscheidend. Bei der Untersuchung verschiedenster Therapiemethoden musste man leider feststellen, dass einige der bisher verwendeten Ansätze in Wirklichkeit wenig hilfreich sind. Eindeutig gezeigt hat sich hingegen, dass eine Therapie dann erfolgreich ist, wenn sie am Symptom ansetzt, also direkt am Lesen und Schreiben. Dabei werden Lese- und Schreibübungen angeboten, die ausgehend von einer umfassenden Diagnostik und der davon abgeleiteten individuellen Therapieplanung genau auf die Schwierigkeiten des Kindes abgestimmt sind. Die Arbeit an Rechtschreibstrategien steht hierbei im Vordergrund. Diese ermöglichen es dem Kind auch jene Wörter richtig zu schreiben, die es im Wortspeicher noch nicht sicher abspeichern konnte. Neben dem Lesen und Schreiben als Symptom hat sich in wissenschaftlichen Untersuchungen auch die sog. Phonologische Bewusstheit (intuitives Wissen um den Aufbau der Sprache) als verlässlicher Faktor zur Vorhersage der Lese- und Rechtschreibleistung erwiesen. Mit Hilfe dieser Fähigkeit können Kinder mit erhöhtem Risiko für eine LRS bereits im Vorschulalter identifiziert werden (Wimmer et al., 1991). Doch nicht nur das, die Würzburger Forschergruppe (Schneider et al.) hat gezeigt, dass ein Training der phonologischen Bewusstheit im Vorschulalter sowie zu Beginn des Schriftspracherwerbs drohende Lese-Rechtschreibschwierigkeiten abschwächen oder sogar verhindern kann.

Zusammenfassend lässt sich also feststellen, dass einem Kind mit LRS nur dann geholfen werden kann, wenn sich die Therapie auf wissenschaftliche Erkenntnisse stützt. Darüber hinaus ist entscheidend, dass die Therapie am Symptom arbeitet und dort ansetzt wo das Kind in seiner Schriftsprachentwicklung gerade steht. Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen jedoch, dass auch eine fundierte und fachlich qualifizierte LRS-Therapie keine Wunder bewirken kann. Mit Konsequenz und Ausdauer kann allerdings eine gute Verbesserung der Situation des Kindes erzielt werden. Wird schnelle Heilung versprochen, so muss davon ausgegangen werden, dass es sich hier nicht um ein seriöses Therapiekonzept handelt.

Das Ziel einer seriösen und qualifizierten Therapie hingegen wird sein dem Kind Kompensationsstrategien zu vermitteln, sodass es die LRS im Alltag gut bewältigen kann.


Autoren: Mag. Christine Schäfer & Mag. Christine Mayr